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Übersicht Riemann: Klavierschule op.39
 
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Riemann: Klavierschule op. 39,1

Kap. 5 [Seite 2 von 5]

Beim Staccato, sowohl dem durch die Finger allein als dem durch die im Handgelenk durch leichtes Anheben des Unterarms geschnellte Hand (s. unten) hervorgebrachten, ist der Anschlag nur Schlag, ohne nachfolgenden Druck; während aber beim Legato der Anschlag und das Zurückspringen zwei getrennte Bewegungen sind, zwischen welchen das Festhalten der Taste durch Druck liegt

Notenbeispiel S. 17, Nr. 1

ist beim Staccato die Bewegung nur eine einzige, das Zurückgehen des Fingers ist ein Zurück prallen und erfordert keinen neuen Impuls.

Notenbeispiel S. 17, Nr. 2

Ein gutes Staccato ist gar nicht schwer zu erlernen, wenn man diesen Hauptgrundsatz festhält und nicht durch falsch angebrachten Druck das Zurückprallen zur Unmöglichkeit macht. Die Zahl der Modifikationen des Anschlags ist eine sehr grosse. So ist es eine für tonleiterartige Gänge und für Arpeggiopassagen beliebte und wirkungsvolle Spielweise, den Finger nach dem besonders nervigen (klopfenden, pochenden) Anschlage weder drücken, noch frei zurückspringen, sondern ohne Spannung auf der Taste liegen zu lassen, bis der nächste Finger anschlägt; die Taste bleibt dann nicht ganz sondern nur etwa halb herabgedrückt, und die nothwendige Folge ist eine schnellere Abnahme der Tonstärke.

<18> Man könnte diese nur in geschwindem Tempo verwendbare Anschlagsart Mezzolegato [FN] nennen; Läuferwerk klingt mezzolegato zierlich perlend und im Forte äusserst brillant. Fortgesetzt an Stelle des reinen Legato verwendet, hat diese Anschlagsart etwas Beunruhigendes, die Nerven Angreifendes. Ihr gegenüber steht eine andere, bei welcher der Finger auf den nervigen Anschlag verzichtet und nur durch Druck ohne vorausgehende Hebung im Knöchelgelenk, also ohne Schlag die Taste bewegt, um dieselbe sodann vor Erklingen des nächsten Tones wieder zu verlassen; diese Anschlagsart heisst Non legato, auch wohl Portato oder Portamento. Den Übergang zum wirklichen Staccato bildet das Mezzostaccato oder Leggiero, bei welchem die Finger im Knöchelgelenk ganz lose gehalten werden, so dass sie leicht zurückprallen können, der Anschlag aber nicht mit soviel Energie geschieht, dass das Zurückprallen ein sehr schnelles und vollkommenes wäre; es schiebt sich daher zwischen Anschlag und Rückprall ein Halten der Taste von sehr kurzer Dauer ein. Diese Anschlagsart ist nur in Piano möglich; jeder Versuch, bei ihr ein Forte heraus zu bringen, muss entweder zum Mezzolegato oder aber zum reinen Finger-Staccato führen, da durch die Vergrösserung der Anschlagsintensität entweder das Verweilen auf der Taste verlängert oder ein schnelles Zurückprallen des Fingers bewirkt werden wird. Letzteres ist aber das Wesen des reinen Finger-Staccato, das in grosser Geschwindigkeit und längere Zeit hindurch ausführbar ist. Schwer ist die Ausführung des reinen Finger-Staccato in Piano und Pianissimo, da die zur Bewirkung des Rückpralls aufgewendete Intensität der Bewegung geeignet ist, einen Ton von ziemlicher Stärke hervorzubringen; eine besonders zarte Tongebung wird daher erzielt durch Anschlag aus grösserer Entfernung, sodass die Fingerspitzen die Tasten nicht völlig herabdrücken, sondern ihnen nur einen leichten Anstoss geben.

Alle bisher erörterten Anschlagsarten (Legato, Fingerstaccato, Portato, Mezzolegato, Leggiero) stimmen darin überein, dass bei ihnen das Handgelenk unbetheiligt ist und der Anschlag lediglich durch Bewegung der Finger im Knöchelgelenk bewirkt wird; wir können sie alle zusammenfassen unter dem Namen "Normal-Anschlag".