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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

Mattheson, Johann

<174> Mattheson war der Lenker dieser musikalischen Schauspiele, und der erste Musiker in Hamburg. Zwar waren seine eignen Compositionen ziemlich steif und pedantisch; er verbesserte dieß aber damit, daß er treffliche Stücke aus Italien und Frankreich verschrieb, und deutsche Texte darunter setzte. Auch warb man für diese Schauspiele die besten Sänger aus Deutschland.

Schubart, mein Vorfahr, ein trefflicher Tenorist, der mit ungemeiner Anmuth sang, und die Musik als Meister studiert hatte – war viele Jahre die Zierde dieses Theaters.

Mattheson spielte die Orgel sehr stark, nur machte ihn das mathematische Auszirkeln etwas furchtsam. Sein größtes Verdienst aber ist, daß er durch seine vielen musikalischen Schriften einer der ersten Lehrer Deutschlands geworden. Seine Organistenprobe, sein vollkommener Capellmeister, und andere seiner Schriften, enthalten einen Schatz seltner musikalischer Einsichten. Da er Lateinisch, Griechisch, Englisch, Französisch und Welsch vollkommen verstand; so konnte er alles lesen und studieren, was in diesen Sprachen über die Tonkunst <175> geschrieben war. Wollte man einen Organisten oder Capellmeister heutzutag nach seinen strengen Forderungen examinieren; so würden nur äußerst wenige zu diesen Stellen fähig seyn. Doch war Mattheson selbst mehr gründlich und solid, als melodisch: darum modern jetzt seine Compositionen. Er trieb den Pedantismus oft bis ins Lächerliche – wollte nicht nur für das Ohr, sondern auch fürs Auge mahlen. Als er einst eine Cantate, Noah betitelt, setzte, und einen Regenbogen ausdrücken sollte; so schrieb er die Noten in einem halben Zirkel, und gebrauchte dazu rothe, gelbe, blaue und andere färbige Tinge – ein Einfall, worüber sich Klopstok in seiner gelehrten Republik weidlich lustig macht. Bey all diesen kostbaren Anstalten hatte die Hamburger-Musik doch noch sehr viel Rauhes und beynahe Barbarisches. Aber plötzlich trat ein Mann aus der Wolke

– – claraque luce refulsit! – –

und dieser Mann war

Telemann.