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Türk: Klavierschule

Einleitung

Einstiegsalter für den Unterricht [§ 14]

<8> §. 14. Je früher man den Anfang im Klavierspielen macht, desto weiter wird man es, wenigstens in Ansehung der Fertigkeit, darin bringen; denn im zartesten Alter sind die Finger so biegsam, daß man mit weit geringerer <9> Mühe einen ziemlichen Grad der Geschwindigkeit erlangen kann, als wenn sie schon steif und unbiegsam geworden sind. Man kann daher je früher je besser, wenn es übrigens die Größe und Stärke der Finger erlaubt, das heißt, ungefähr im siebenten oder achten Jahre, den Anfang machen. Es ist zwar nicht unmöglich, daß auch erwachsene Personen das Klavier noch lernen können: allein zu einer großen Fertigkeit darauf möchten sie es wohl schwerlich bringen.

Auswahl des Lehrers [§ 15-17]

§. 15. Das Wichtigste, wofür man anfangs zu sorgen hat, ist ein guter Lehrer. Gewöhnlich wird es in diesem Stücke versehen; denn das Vorurtheil: die Anfangsgründe kann man bey einem Jeden erlernen, ist fast allgemein. Man glaubt etwas zu ersparen, nimmt den wohlfeilsten an, und läßt sichs im Grunde weit mehr kosten, als bey dem theuersten; denn die Erfahrung bestätigt es, daß ein geschickter und gewissenhafter Lehrer seine Schüler in einigen Monaten weiter bringt, als ein schlechter die Seinigen in einem ganzen Jahre. Wie viel Zeit und Mühe geht nicht noch überdies dabey verloren? Denn gemeiniglich fängt der Lernende, wenn er oft mehrere Jahre hindurch ohne richtige Grundsätze unterrichtet worden ist, und endlich, nach mancher mühsamen Stunde, seine und des Lehrers Unwissenheit einsieht, bey einem Geschiktern wieder von den Anfangsgründen an! Und wie schwer ist es, sich alte mechanisch gewordene Fehler abzugewöhnen.

Ich weiß, daß man hierin nicht immer nach Belieben wählen kann, weil sich nur wenige geschickte Meister (die überhaupt an manchen Orten wohl selten seyn möchten) mit Anfängern abgeben. Wenn man aber einen Lehrer bekommen kann, welcher viele gute Scholaren gezogen hat, so lasse man sich ja nicht durch Sparsamkeit verleiten, einen wohlfeilern anzunehmen.

§. 16. Wer bereits einen geschickten Lehrer hat, der vertaue ich, ohne die dringendste Noth, keinem Andern an; denn gemeiniglich hat jeder seine eigene Lehrart, folglich geht viel Zeit dadurch verloren, ehe sich der Lernende wieder an eine andere Methode gewöhnt, wenn auch die Lehrer den Grundsätzen selbst nicht von einander abweichen sollten. Einige Liebhaber der Musik rechnen sichs zum Verdienste an, bey vielen Meistern Unterricht <10> gehabt zu haben: aber nur Wenige haben Ursache, darauf stolz zu seyn, denn ihr Geschmack ist gemeiniglich sehr unbestimmt, und in eine fehlerhafte Ungleichheit ausgeartet.

§. 17. Der Lehrer, wenn er auch selbst kein Spieler vom ersten Range ist - denn gut unterrichten und vortreflich spielen sind zwey sehr verschiedene Dinge - muß, außer den nöthigen Kenntnissen, wenigstens einen gebildeten Geschmack und guten Vortrag haben. Die Gabe der Deutlichkeit, Herablassung und Geduld hat er in einem sehr hohen Grade nöthig. Er muß sich in einer gewissen Achtung bey seinen Scholaren zu erhalten wissen, ohne jedoch ein mürrisches Betragen gegen sie anzunehmen; denn mit Gelassenheit richtet man bey den Meisten ungleich mehr aus, als durch Schelten u.d.g. [und dergleichen]. Er darf zwar nicht den kleinsten Fehler übersehen, aber ohne die Lernenden unnöthiger Weise aufzuhalten. Ueberhaupt kann er, ihrer verschiedenen Fähigkeiten wegen, nicht mit Allen nach Einem Plane verfahren. Manche begreifen alles geschwind; mit diesen muß er bald weiter gehen, damit sie in steter Uebung erhalten werden: Andere haben lange Zeit und öftere Erinnerungen nöthig, ehe sie etwas fassen; diesen darf er auf einmal nur wenig aufgeben u.s.w. Kurz, der Lehrer muß es sich ernstlich angelegen seyn lassen, seine Schüler je eher je lieber zu geschickten Musikern zu bilden. Fehlt es ihm an Eifer, Geschicklichkeit und Gaben hierzu, so sollte er sich mit Unterrichten nicht abgeben.