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Türk: Klavierschule

Einleitung

Sonstige Voraussetzungen zum Klavierspiel [§ 18-20]

<10> §. 18. Außer einem guten Gehöre und der nöthigen Anlage [FN] zur Musik wird bey einem Lernenden natürliches Gefühl fürs Schöne, Beurtheilungskraft, Lust und anhaltender Fleiß vorausgesetzt, wenn die Bemühung des Lehrers gehörig fruchten soll. Die Erinnerungen desselben muß <11> der Schüler auf das pünktlichste befolgen, und sich ja nicht einfallen lassen, nach eigenem Gutdünken zu handeln, oder die Uebungsstücke selbst wählen zu wollen. Er muß sich der Führung des Meisters ganz überlassen; Zutrauen zu ihm haben; seine Bemühung dankbar erkennen u.s.w. Er darf nicht verdrießlich werden, wenn ihn der Lehrer gewisse Stellen so oft wiederholen läßt, bis er sie richtig vorträgt. Sieht er nicht ein, warum dies oder jenes so, und nicht anders, seyn darf: so muß er den Lehrer um den Grund davon, oder um eine nähere Erklärung bitten, damit er nicht blos ein mechanischer Musiker werde.

§. 19. Wer das Klavier nur zum Vergnügen spielern lernt, der hat genug gethan, wenn er täglich zwey Stunden darauf verwendet; anfangs wöchentlich etwa vier, wenn es seyn kann sechs, und in der Folge zwey bis vier Stunden Unterricht mit eingerechnet: wer aber das Klavierspielen zu seinem Hauptgeschäfte machen will, für den sind täglich drey bis vier Stunden Uebung kaum hinreichend, und außer diesen ist wenigstens noch Eine Lectionsstunde nöthig.

Da in diesem Buche nicht von der Musik überhaupt, sondern nur vom Klavierspielen die Rede ist, so kann ich mich hier auf eine nähere Bestimmung der verschiedenen Kenntnisse und Sprachen, welche der künftige Musiker, außer seinem eigentlichen Fache nöthig hat, nicht einlassen. Nur dies Einzige merke ich bey dieser Gelegenheit an, daß derjenige sich sehr irrt, welcher es für möglich hält, in sechs bis acht Jahren ein großer Tonkünstler zu werden. In der praktischen Musik mag es jemand binnen dieser Zeit, unter günstigen Umständen, zu einer ziemlichen Fertigkeit bringen können: aber dann bleibt ihm noch immer sehr viel zu lernen übrig. Man stelle sich daher das Studium der Musik nicht als eine so gar leichte Sache vor. Der Umfang derselben ist größer, als man gemeiniglich glaubt, und oft zu spät einsieht.

§. 20. Zum Lernen ist das Klavier [Clavichord], wenigstens im Anfange, unstreitig am besten; denn auf keinem andern Klavierinstrumente läßt sich die Feinheit im Vortrage so gut erwerben, als auf diesem. Kann man in der Folge einen Flügel [Cembalo] oder ein gutes Fortepiano [Hammerflügel] daneben haben, so ist der Nutzen für den Lernenden desto größer; denn die Finger bekommen durch das Spielen auf diesen Instrumenten mehr Stärke und Schnellkraft. Nur <12> darf man nicht immer auf dem Flügel spielen, weil es auf Kosten des guten Vortrages geschehen möchte. Wer nicht beydes haben kann, der wähle das Klavier. Je besser aber das Instrument ist, je mehr Nutzen hat der Lernende; denn auf einem guten Klaviere wird er sich weit lieber üben, und mit mehr Ausddruck spielen lernen, als wenn er auf einem alten elenden Kasten klappern muß; wie das oft der Fall ist.