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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III

1tes Kapitel.

[a] Nähere Bestimmungen über die Anwendung des Forte, Piano, etc:

<4> § 1. In den neueren Compositionen werden die Zeichen des Vortrags von den Autoren meistens so ausführlich angewendet, dass der Spieler im Allgemeinen selten über den Willen des Compositeurs in Zweifel sein kann.

Aber selbst da gibt es Fälle, wo vieles der Willkühr des Spielers überlassen bleibt, und in älteren Clavier-Werken, (Z.B: von Mozart, Clementi, etc:) wo jene Zeichen äusserst sparsam sich angezeigt finden, hängt der Vortrag meistens von dem Geschmack und der Einsicht des Vortragenden ab. Daher ist der Vortrag dieser Werke in dieser Rücksicht weit schwerer.

§ 2. Man kann annehmen, dass jede der 5 Hauptgattungen des Forte und Piano, einen bestimmten Charakter ausdrücken, und folglich eine besondere Wirkung hervorbringen kann. Nämlich:

  1. Das Pianissimo (pp), welches die leiseste Behandlung der Tasten, die, ohne undeutlich zu werden, möglich ist, bezeichnet. Es trägt den Charakter des Geheimnissvollen, Mystischen, und kann in seiner vollendeten Ausführung, auf den Zuhörer die reitzende Wirkung einer, aus weiter Ferne schallenden Musik, eines Echo, hervorbringen.

  2. Das Piano (p) Lieblichkeit, Sanftmuth, ruhige Gleichmüthigkeit, oder stille Wehmuth, äussern sich durch die zwar weiche und zarte, aber doch schon etwas bestimmt're und ausdrucksvollere Behandlungsart, mit welcher bei diesem Grade die Tasten anzuschlagen sind.

  3. Das Mezza voce. (m.v.) Diese Abstufung liegt genau in der Mitte zwischen stark und schwach und könnte mit dem ruhigen erzählenden Gesprächston verglichen werden, der, ohne leise zu lispeln, oder überlaut zu deklamiren, mehr durch die vorzutragende Sache, als durch den Vortrag interessieren will.

  4. Das Forte, (f) bezeichnet den Ausdruck der selbständigen Bestimmtheit und Kraft, ohne Übertreibung des Leidenschaftlichen, in den Grenzen des Anstandes; - so wie in der Regel, alles Glanzvolle, (brillante) mit diesem Grade der Stärke ausgeführt werden kann.

  5. <5>Das Fortissimo. (ff) Dass selbst der höchste Grad der Stärke immer in den Grenzen des Schönen bleiben muss, und nie in grelles Schlagen, in Misshandeln des Instruments ausarten darf ist schon früher gesagt worden. Innerhalb dieser Grenze drückt es die Steigerung der Freude bis zum Jubel, des Schmerzes bis zur Wuth aus; so wie das Glänzende bis zur Bravour emporgehoben wird.

In folgenden Beispielen kann der Schüler vorläufig alle diese Hauptschattierungen üben.

[Notenbeispiel 05-1]