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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III

4tes Kapitel.

[a] Vortrag des einfachen Gesangs.

<30> § 1. Das Pianoforte kann, wie wir wissen, den Ton nicht so lange halten und anschwellen lassen wie die Menschenstimme, die Violine, Clarinette, etc:. Daher erfordert der Vortrag eines Gesangs in langsamen Noten besondere Kunst und Aufmerksamkeit.

In der neueren Zeit sind die Pianoforte auch in dieser Hinsicht sehr vervollkommnet worden, und wenn der Spieler dieselben zu behandeln weiss, so kann er selbst ohne die Hilfsmittel der Verzierungen und Passagen den obengenannten Instrumenten in hohem Grade nahe kommen.

§ 2. Ein einfacher Gesang muss mit weit mehr Nachdruck, also auch verhältnissmässig viel kräftiger vorgetragen werden, als die begleitende Hand, welche dann gegen die Andere ungefähr in das Verhältnis zu treten hat, wie z.B: die Guitare, welche der Menschenstimme accompagnirt.

[Notenbeispiel 30-2]

Würde hier der Spieler beide Hände mit gleicher Stärke vortragen, so würde die vollstimmige Begleitung den obern Gesang völlig übertönen. Daher muss die rechte Hand, ungeachtet dem vorgeschriebenen piano, beinahe forte spielen, während die Linke sehr sanft accompagnirt.

§ 3. Wenn der Gesang in der Linken Hand, oder in einer Mittelstimme vorkommt, so muss er ebenso kräftig herausgehoben werden. Z.B:

[Notenbeispiel 31-1]

<31> Im ersten Beispiel ist der Gesang stets in der linken Hand.

Im 2ten Beispiel ist er in den 4 ersten Takten in der untern Stimme der rechten Hand, in den nachfolgenden 3 Takten aber oben und unten verdoppelt, während die Mittelstimme accompagnirt.

Wenn er durch kräftigeren Anschlag recht herausgehoben wird, so ist die Wirkung so täuschend, als ob eine besondere Hand, oder ein anderes Instrument diesen Gesang vortrage.

Die linke Hand stösst (im 2ten Beispiel) leicht und fest, etwas schwächer als der Gesang, und etwas stärker als die begleitenden Triolen.