Home | Impressum
KölnKlavier · Themen
Startseite

Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 3

[Seite 29 von 30]

F. Brendel: Studien über Pianofortespiel

Endlich ist noch zu gedenken eines Aufsatzes von

[Franz] Brendel, Studien über Pianofortespiel. Die Handhaltung und der Anschlag, die Ausbildung der Hand und des Handgelenks. (Neue Zeitschrift für Musik, Leipzig, 46. Bd., [1857], Nr. 22 [S. 200, 210, 231].)

Dieser Aufsatz regt durch mancherlei Neues an. "Es seien so viel abweichende Manieren über Handhaltung usw. von jedem einzelnen Meister als Norm aufgestellt worden, daß dadurch eine gewisse Unsicherheit entstanden ist und etwas Allgemeingültiges vermißt wird. Hummel's Spiel konnte in Folge seiner Handhaltung, die man scherzweise die Krabbelmanier nannte, keine Fülle des Tones besitzen. Denn er ließ die Finger nicht fest auf die Taste fallen, er zog sie, nachdem dieselbe niedergedrückt war, ein, so daß zuletzt der Fingernagel über die Taste glitt. Den direkten Gegensatz bildete Field. Dieser lehrte eine durchaus senkrechte Haltung der Finger, so daß dieselben wie Hämmer auf die Taste fielen (Dies ist aber ohne Mitwirkung des Handgelenks nicht möglich!), er verlangte, daß dieselben bis auf den Grund niedergedrückt würden. Dadurch gewann er eine große Klangschönheit, Reichthum und Mannigfaltigkeit der Schattirungen, ohne die Brillanz der Wiener Schule zu erreichen. Moscheles besitzt größeren Ton als Hummel, sein Anschlag ist fest, die Taste bis auf den Grund niederdrückend. Dafür hat er aber wieder nicht Field's sinnliche Klangschönheit. Alle älteren Meister charakterisirt insgesammt eine feste, stets sich gleichbleibende Haltung der Hand, eine in sich geschlossene Spielweise, die alle Ausdrucksverschiedenheit auf einem und demselben Wege hervorzubringen trachtet. Das neuere Spiel mit seinen bei weitem größeren Contrasten und Tonabstufungen macht auch eine freiere Handhaltung <115> nothwendig. Das markirte Hervorheben einzelner Noten: ein stechendes Niederdrücken der Taste, und im Gegensatz hierzu das hingehauchte Pianissimo: weiter ausgestreckte Finger." [Textzusatz der 8. Auflage]

Im weiteren Verlaufe empfiehlt der Verfasser für die erste Schulung die Handhaltung mit eingedrückten Knöcheln und krummen Fingern, und breitet sich über bekannte Elemente weiter aus.

[Textzusatz der 8. Auflage]