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Mattheson: Der vollkommene Capellmeister

Teil 2, Kap. 13 [Seite 10 von 41]

Chor

§. 37. Ein Quatour, oder vierstimmiger Gesang, verliert schon einiger maassen den Nahmen einer Arie, und wird gemeiniglich daraus

VIII. Ein Chor, Coro, Tutti, welcher auch dreierley seyn kan:

Wiewol auch manche vierstimmige Arie ohne Instrumente so eingerichtet werden mag, daß sie einem Chor, der bey heutiger Weise immer accompagnirt seyn will, nicht so gar ähnlich sicher.

§. 38. Wir lernen inzwischen aus obiger Eintheilung, daß die Chöre von dreierley Art seyn können. Einmahl wenn sie in geraden Schritten einher gehen, und keine Stimme was macht, das den andern nicht gewisser maassen gleichkömmt; absonderlich in den Worten. Zweitens, wenn ein Wechsel=Gesang vorfällt, da eine Stimme allein die übrigen zur Nachfolge anführet; oder da die eine fragt, und die andern darauf antworten; auch wol umgekehrt, da viele fragen und nur eine Stimme Antwort gibt; oder aber, wenn verschiedene wolbesetzte Chöre oder Singbühnen zugleich anstimmen, und an drey oder vier Orten einer geraumen Kirche mit einander abwechseln; welches die grösseste Lust [FN] von der Welt ist. Drittens, wenn ein solcher vollstimmiger Satz oder ein solches Tutti Fugen=Weise ausgeführet wird; es sey nun in der Kirche, oder sonstwo. Wiewol man, wegen der Schwierigkeit solche Fugen auswendig zu lernen, ihrer bey der dramatischen Schreib=Art lieber müßig gehet.

§. 39. Die Italiener halten in ihren Singespielen gar zu wenig; die Frantzosen hergegen fast gar zu viel von Chören: wenn bey jenen etwa einer vorkömmt, z.E. am Ende einer Oper, so machen sie alsobald ein Tantz=Lied daraus und wischen hurtig darüber hin; diese aber concertiren und imitiren tüchtig und majestätisch in ihren starckbesetzten Chören. Doch tasten die Frantzosen nicht leicht eine förmliche Fuge an. Die Teutschen entlehnen inzwischen in diesem Fall von dem einen und andern Volcke, was ihnen anstehet.