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KölnKlavier · Themen
Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung Blasmusik Diese Beiträge sind entstanden als Sendemanuskripte
für die Deutsche Welle, Köln ("Transkriptionsdienst")

Das Instrument der Könige

Kompositionen für Block und Querflöten

Geschichte der Blasinstrumente und ihrer Musik – 3. Folge

Sendemanuskript
Musik-Nr.: 01
Komponist: Johann Sebastian Bach
Werk-Titel: Orchester Suite h moll, BWV 1067
Auswahl: Badinerie <CD 1, Track 1.> 1:20
Interpreten: Musica antiqua Köln
Ltg.. Reinhard Goebel
Label: DG (LC ____)
415 671 2
<CD 1, Track 1.> Gesamt-Zeit: 1:20
Archiv-Nummer: ____

Pan, der lüsterne und bocksbeinige Satyr, verliebte sich einstmals in die keusche Nymphe Syrinx. Diese, in ihrer höchsten Not, nahm die Gestalt eines Schilfrohrs an. Doch Pan ließ sich nicht beirren. Wahllos schnitt er einige Schilfrohre ab, ordnete sie der Größe nach und blies auf ihnen. So ward die Panflöte erfunden.

Da wäre dann noch das unglückliche Schicksal des Flöte spielenden Marsyas, dem Apoll die Haut lebendig vom Leib zog, nur weil er nicht gleichzeitig singen und Flöte spielen konnte ... – die griechische Mythologie meint es weiß Gott nicht gut mit den Blasinstrumenten, und so führt denn vor allem die Flöte Jahrhunderte lang ein unauffälliges Schattendasein in der Musikgeschichte bis im 18. Jahrhundert der preußische König Friedrich der Große sich für dieses Instrument begeistert.

Schon in seiner Jugend war Friedrich der Große den Schönen Künsten zugetan – gegen den erklärten Willen seines Vaters, der es lieber gesehen hätte, daß sein Sohn sich mit militärischen Dingen beschäftigte als heimlich in irgend einem Waldschlößchen mit Freunden und seinem Flötenlehrer Johann Joachim Quantz zu musizieren. Als Friedrich dann 1740 den preußischen Thron bestieg, war es eine seiner ersten Amtshandlungen, ein Kammerorchester zu gründen und so berühmte Musiker wie Quantz, Karl Heinrich Graun oder den Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel an den Potsdamer Hof zu holen.

Von nun an versammelte sich jeden Mittwochabend der engere Hofstaat im Großen Salon von Schloß Sanssouci, um andächtig dem Flötenspiel des Königs zu lauschen. Charles Burney, ein englischer Musikgelehrter des 18. Jahrhunderts, den europäischen Kontinent bereiste, um sich über den gegenwärtigen Zustand der Musik in Italien, den Niederlanden und in Deutschland zu informieren (so der Titel seiner mehrbändigen musikalsichen Reisebeschreibung), – Charles Burney also hatte die Ehre, einem solchen Konzert beizuwohnen. Hier sein Bericht:

"Die Musik begann mit einem Flötenkonzerte, in welchem der König die Solosätze mit großer Präzision vortrug. Seine Tonbildung war klar und eben, seine Finger brillant und sein Geschmack rein und ungekünstelt. Ich war erstaunt über die Nettigkeit seines Vortrags. Sein Spiel übertraf in manchen Punkten alles, was ich bisher von Liebhabern oder gar von berufsmäßigen Flötisten gehört hatte. Sein Lehrer, Herr Quantz, hatte den ganzen Abend nichts anderes zu tun als gelegentlich den Takt anzugeben und am Ende der Solosätze und Kadenzen ein deutliches 'Bravo!' zu rufen."

Soweit der Bericht unseres Gewährsmannes Charles Burney von seinem Besuch in Potsdam. Was Burney indes vergißt zu erwähnen: daß Friedrich der Große nicht nur die Flöte spielte, sondern für sein Instrument auch selber komponierte – bis zu seinem Lebensende immerhin 121 Sonaten sowie vier Flötenkonzerte.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Friedrich der Große
Werk-Titel: Konzert für Flöte, Streichorchester und B.c. G Dur
Auswahl: 3. Satz (Allegro assai) <LP Seite B, Track 1.> 6:25
Interpreten: Manfred Friedrich (Flöte)
Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach"
Ltg.: Hartmut Haenchen
Label: Del (LC ____)
C 27 079
<LP Seite B, Track 1.> Gesamt-Zeit: 6:25
Archiv-Nummer: ____

Die Querflöte, wie Friedrich der Große sie benutzte, hatte wenig Ähnlichkeiten mit dem Instrument, das wir heute als Orchesterinstrument kennen. Die Querflöte damals war meist aus Holz (ganz kostbare Stücke wurden aus Glas gearbeitet) und besaß keine Klappen, sondern nur Grifflöcher, ähnlich wie die Blockflöte.

Die Erfindung der modernen Querflöte ist dem Goldschmied und Bergwerksdirektor Theobald Böhm, einem Zeitgenossen von Robert Schumann und Mendelssohn, zu verdanken. Böhm war, wie seinerzeit Friedrich der Große, ein begeisterter Musikliebhaber und Flötenspieler. Allerdings mochte er sich nicht mit den Unzulänglichkeiten und dem beschränkten Tonumfang der alten Instrumente anfreunden. Und so begann er zu basteln – hier eine zusätzliche Bohrung, dort eine Klappe, um den Wechsel schwieriger Griffe zu vermeiden, ein sauber gearbeitetes Metallrohr für einen schlankeren Ton, bis schließlich die Böhm-Flöte mit ihrer komplizierten Mechanik fertig war.

Mit knapp dreißig Jahren dann beschloß Theobald Böhm, seinen gesicherten Beruf an den Nagel zu hängen. Zunächst bewarb er sich bei der bayerisch-königlichen Hofkapelle als erster Flötist, nahm nebenher Kompositionsunterricht und machte sich einige Jahre später als Flötenvirtuose selbständig.

In seiner Fantasie über den Trauerwalzer von Franz Schubert op. 21 demonstriert Böhm, daß es mit seinen Instrumenten möglich ist, ohne klangliche Brüche auch in entlegene Tonarten wie von as-moll nach H-Dur zu modulieren. Hören Sie einen Ausschnitt aus dieser Komposition in einem Konzertmitschnitt vom 27. November 1981 im Münchner Cuviellés-Theater anläßlich des 100. Todestages von Theobald Böhm. Es spielen Aurèle Nicolet (Flöte) und Barton Weber (Klavier).

Musik-Nr.: 03
Komponist: Theobald Böhm
Werk-Titel: xx
Auswahl: Fantasie über den Trauerwalzer von Franz Schubert op. 21 (Ausschnitt) <LP Seite 3, Track 2.> __:__
Interpreten: Aurèle Nicolet (Flöte)
Barton Weber (Klavier)
Label: Orfeo (LC ____)
S 018822 H
<LP Seite 3, Track 2.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Im 19. Jahrhundert avancierte die Querflöte neben Gitarre und Klavier zum Mode Instrument für Hausmusik und Salon. Ganze Opern wurden bearbeitet für zwei Flöten, und der Wiener Musikalien Verleger Anton Diabelli gab eine eigene Reihe heraus mit dem Titel Galante Potpourris beliebter und neuester Melodien, zum Hausgebrauch leicht gesetzt für Flöte und Gitarre. Eine der ersten Nummern war Beethoven gewidmet, gleichsam ein Quiz für 'Beethovenkenner'. Es beginnt mit der Einleitung zur vierten Sinfonie, dann folgen Teile aus der Klaviersonate op. 28, das Rondo aus der Frühlingssonate, der Schlußsatz des dritten Klaviertrios und nochmals einige Sinfonie-Ausschnitte.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Anton Diabelli
Werk-Titel: Potpourri aus Beethovens beliebtesten Werken für Flöte und Gitarre
Auswahl: [Aussschnitt] <Track xx.> __:__
Interpreten: Paul Meisen (Flöte) Reinbert Evers (Gitarre)
Label: MDG (LC ____)
L 3061
<Track xx.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

An originärer Flötenliteratur hatte es all die Jahre nicht gefehlt: Bachs Orchestersuite Nr. 2, aus der sie zu Beginn der Sendung die Badinerie hörten; Vivaldi schrieb für das Findelheim in Venedig eine große Zahl von Flötenkonzerten, später komponierte auch Mozart für die Flöte – aber nie konnte sie als Solo Instrument jene Stellung erreichen, wie sie etwa seit jeher die Violine oder das Klavier inne hatten. Im 19. Jahrhundert dann verkam sie zum Mode- und Salon-Instrument, und erst seit einigen Jahrzehnten bemühen sich die Komponisten wieder intensiver um dieses Instrument.

Es fällt auf, daß diese Anstöße fast durchweg aus Frankreich kommen. 1936 komponierte der französische Komponist Edgard Varèse für seinen Freund, den Flötisten G. Barrère, die Komposition Density 21.5. 21.5 ist die spezifische Dichte von Platin, und der Titel spielt an auf Barrères kostbare Platinflöte. Varèse experimentiert hier mit allen Möglichkeiten der Klangerzeugung, vom Verhauchen und Überblasen der Töne bis hin zum bloßen Klopfgeräusch der Klappen.

Musik-Nr.: 05
Komponist: Edgard Varèse
Werk-Titel: Density 21.5
Interpreten: Helmut Riessberger (Flöte)
Label: FSM (LC ____)
33 1 028
<Track xx.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____