Home | Impressum
KölnKlavier · Themen
Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung Blasmusik Diese Beiträge sind entstanden als Sendemanuskripte
für die Deutsche Welle, Köln ("Transkriptionsdienst")

Das Repertoire der reinen Harmonie

Originales und zeitgenössische Bearbeitungen für Bläser-Ensembles

Geschichte der Blasinstrumente und ihrer Musik – 6. Folge

Sendemanuskript
Musik-Nr.: 01
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Entführung aus dem Serail, arrangiert für Harmoniemusik
Auswahl: "Ha, wie will ich triumphieren" <LP Seite B, Track 6.> 2:00
Interpreten: Collegium aureum
Label: EMI (LC ____)
1C 065-99 838
<LP Seite B, Track 6.> Gesamt-Zeit: 2:00
Archiv-Nummer: ____

Am 20. Juli 1782, acht Tage nach der Uraufführung seines Singspiels Die Entführung aus dem Serail schrieb Mozart aus Wien an seinen Vater:

"Im Augenblick habe ich keine angenehme Arbeit. Bis Sonntag in einer Woche muß meine Opera für Harmonie gesetzt sein, sonst kommt mir einer zuvor – und hat anstatt meiner den Profit davon. Aber Sie glauben nicht, wie schwer es ist, eine solche Oper für Harmonie zu setzen: daß es dem Klang und der Spieltechnik der Blasinstrumente entspricht, und doch dabei nichts von der Wirkung verlorengeht."

Was Mozart in diesem Brief mit "Harmonie" bezeichnet, meint nichts anderes als eine gemischte Bläserbesetzung, die sich in dem soeben gehörten Ausschnitt aus zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörnern und zwei Fagotten zusammensetzt.

Solche gemischten Bläserbesetzungen haben eine lange Tradition. Schon im 15. und 16. Jahrhundert erfreuten sie sich einer großen Beliebtheit – zum einen wegen des Klangfarbenreichtums, den die verschiedenen Blasinstrumente besaßen, zum anderen aber auch, weil Blasinstrumente leichter zu spielen waren als die Streichinstrumente. Blasmusik galt lange Zeit als die Hausmusik schlechthin.

In der norddeutschen Hafenstadt Hamburg gründete der Organist Matthias Weckmann 1660 das sogenannte Collegium musicum, eine Vereinigung von Musikliebhabern, die einmal wöchentlich miteinander musizierten. Ein Zeitgenosse, der eines der Laien-Konzerte hörte, schrieb überschwenglich:

"Man brachte wohl an die fünfzig Personen zusammen, die alle in verschiedenen Ensembles zum Gelingen des Abends beitrugen. Es wurden die besten Sachen aus Venedig, Rom, Wien, München und Dresden gespielt. Und es sollte mancher in dem Collegio musico nur ein paar Stunden zuhören, er würde halbentzückt müssen bekennen, daß dessen gleichen in Teutschland schwerlich zu finden ist. Ja es besitzt dieses Collegium einen solchen Ruhm, daß die größten Komponisten ihre Namen demselben einzuverleiben suchen."

Auch Matthias Weckmann, der Begründer des Hamburgischen Collegium musicum, hat eine Reihe von Sonaten für die musizierenden Liebhaber geschrieben, wobei in den meisten dieser Sonaten der Bläserklang dominiert. In dem folgenden Stück wird die Oberstimme von einer Violine und einem Zink ausgeführt, ein altertümlichen Instrument, das als Vorform des heutigen Horns gilt; daneben spielen Posaune sowie ein Baßpommer, ein früher Vorläufer des modernen Fagotts.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Matthias Weckmann
Werk-Titel: Sonate Nr. 2 für das Hamburgische Collegium musicum
Interpreten: Musicalische Compagney
Label: Tho (LC ____)
MTH 216
<LP Seite A, Track 1.> Gesamt-Zeit: 5:35
Archiv-Nummer: ____

Matthias Weckmanns Sonaten für das Hamburgische Collegium musicum waren geschrieben für Konzertaufführungen in geschlossenen Räumen. Aber mit Blasinstrumenten läßt sich auch eine ganz andere Musik veranstalten. 1748 erhielt Georg Friedrich Händel den Auftrag, eine festliche Suite zu komponieren. Anlaß war ein Friedensvertrag, den der englische König gebührend zu feiern wünschte: mit einem großen Feuerwerk und viel Lärm. Seine Majestät forderte ausdrücklich "kriegerische Instrumente", und Händel, untertänigster Diener, kam diesen Wünschen nach: Die ursprüngliche Besetzung der Royal Fireworks Music bestand aus neun Trompeten, neun Hörnern, 24 Oboen, zwölf Fagotten, einem Kontrafagott, drei Paar Kesselpauken und sonstigem Schlagwerk. Hinzu kamen ein paar Hundert schwere Geschütze, die der Generalfeldzeugmeister seiner Majestät, der Herzog von Montague, unbedingt dem Publikum vorführen wollte. Der Lärm muß infernalisch gewesen sein.

Wie es das Schicksal so wollte, fand die martialische Friedensfeier leider ein trauriges Ende; das große Feuerwerk geriet zur Katastrophe: Die Raketen schossen ins Publikum statt in den Himmel und steckten die hölzernen Tribünen in Brand. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte, und die Uraufführung von Händels komponiertem Friedenslärm mußte nach wenigen Takten abgebrochen werden.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Georg Friedrich Händel
Werk-Titel: Royal Fireworks Music [Orig.-Fassung]
Auswahl: Ouverture <Track xx.> __:__
Interpreten: xx
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track xx.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Von der geräuschvollen Freilichtmusik zurück in die vier Wände der gepflegten Salons und gutbürgerlichen Stuben. In einer Zeit, in der Radio und Schallplatte unbekannt war, waren Konzertbesuche und das eigene häusliche Musizieren die einzigen Möglichkeiten, wenn man Musik genießen wollte. Dies erklärt auch, warum es für jede denkbare (und undenkbare) Besetzung Bearbeitungen der neuesten Opern und Sinfonien gab. Die wohl skurrilste Bearbeitung aus jener Zeit dürfte wohl das Potpourri aus Mozarts Zauberflöte sein – in der Fassung für zwei Querflöten. Hier ein kleiner Ausschnitt daraus:

Musik-Nr.: 04
Komponist: W.A. Mozart / Johann Nepomuk Hummel
Werktitel: Die Zauberflöte
Auswahl: ...
Interpreten: Anne Utagawa (Querflöte)
Dominique Hunziger (Querflöte)
Label: [ … ]

Solche "Miniatur"-Bearbeitungen wie die eben gehörte "Zauberflöten"-Arie für zwei Querflöten entlockten allerdings schon den Zeitgenossen ein leichtes Schmunzeln. Die Bearbeitungen für größere Besetzungen indes waren durchaus ernst zu nehmen, und nicht selten fertigten die Komponisten selbst Bearbeitungen ihrer Werke an oder überwachten zumindest die Arbeit.

Am 14. Februar 1816 erschien in der "Allgemeinen Musikalischen Zeitung" folgende Anzeige:

"Der Name des genialen Herrn Beethoven zeugt für den großen Wert einer neuen Sinfonie in A-Dur aus seiner Feder. Angeboten werden Partitur und Orchesterstimmen, sowie Bearbeitungen für Klaviertrio, Streichquartett und Harmoniemusik."

Hören Sie nun zum Abschluß aus der Siebenten Sinfonie den ersten Satz in der Bearbeitung für besagte Harmoniemusik.

Musik-Nr.: 05
Komponist: L. van Beethoven / anon
Werktitel: Symphonie Nr. 7 A-Dur, arrangiert für Harmoniemusik
Auswahl: 1. Satz
Interpreten: Ensemble Octophoros.
Label: Acc (LC ____) 48434 D 6:00