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KölnKlavier · Themen
Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung Blasmusik Diese Beiträge sind entstanden als Sendemanuskripte
für die Deutsche Welle, Köln ("Transkriptionsdienst")

Kurioses aus alter und neuer Zeit

Aida-Trompeten und Wagner-Tuba; Kompositionen für Heckel-, Sarruso- und Saxophon

Geschichte der Blasinstrumente und ihrer Musik – 7. Folge

Sendemanuskript [Fragment]

[...]

Aber die Instrumentenbauer und Komponisten experimentierten auch mit den Klängen anderer Blasinstrumente. Leopold Mozart etwa, der Vater des berühmten Wolfgang Amadeus, schrieb eine Sinfonia Pastorella für Streichorchester und "Corno pastorito", hinter dem sich nichts anderes verbirgt als ein Alphorn. Das Alphorn ist weniger ein Musik- denn ein Signal-Instrument von bis zu fünf Metern Länge, mit dem sich die Bergbauern und Hirten in den europäischen Hochgebirgen – also in den Alpen, den Pyrenäen und Karpaten – miteinander verständigten. Entsprechend gering sind der Tonumfang und die dynamischen Gestaltungsmöglichkeiten, weil es bei einem Signal-Instrument auf solche Kriterien nicht ankommt.

Musik-Nr.: 01
Komponist: Leopold Mozart
Werk-Titel: Sinfonia Pastorella
Interpreten: Joszef Molnar (Alphorn)
Capella Istropolitana
Ltg.: Urs Schneider
Label: Marco Polo (LC ____)
8.223 101
<Track 1.2.3.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Verweilen wir zum Abschluß unserer Sendung über die Blasinstrumente noch ein wenig bei den Kuriositäten. Da wäre etwa die Ophikleide zu erwähnen, die Anfang des 19. Jahrhunderts, also zu Zeiten von Hector Berlioz in Mode war. Die Ophikleide ist ein Horn im tiefen Baßbereich mit einem urzeitlichen, eher bedrohlichen Klang, der an die Trompeten von Jericho oder die Posaunen des Jüngsten Gerichts denken läßt. Und in der Tat: Berlioz hat die Ophikleide in seiner Symphonie fantastique eingesetzt als Baßinstrument, das während des Hexensabbats das gregorianische Dies irae aus der Beerdigungs-Liturgie intoniert.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Hector Berlioz
Werk-Titel: Sinfonie fantastique
Auswahl: 5. Satz (Dies irae) <Track 5.> __:__
Interpreten: London Classical Players
Ltg.: Roger Norrington
Label: EMI (LC ____)
7 49541 2
<Track 5.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____
Technik: einblenden ab 3:40

Zu den Kuriositäten unter den Blasinstrumenten zählen auch die sogenannten "Aida-Trompeten", von denen es in jedem Opernhaus ein gutes Dutzend gibt und die nur für ein Werk an einer einzigen Stelle eingesetzt werden – nämlich für den gerade anderthalb minütigen Triumphmarsch in Verdis Oper Aida. Viel Aufwand für wenig Musik mag man denken, aber vielleicht erklärt die Entstehungsgeschichte einiges:

Der damalige Herrscher in Ägypten, Ismail Pascha, träumte davon, sein Land mit den technischen und kulturellen Segnungen des Abendlandes zu beglücken – und was lag da näher, als in der Hauptstadt Kairo ein Opernhaus zu bauen! Giuseppe Verdi erhielt schließlich den ehrenvollen Auftrag, für diesen ersten Musentempel in Afrika ein Oper zu schreiben. Und er gab sich alle erdenkliche Mühe, seine in Ägypten spielende Aida möglichst authentisch auszugestalten. Monatelang las er Bücher über ägyptische Geschichte, er studierte die monumentalen Kunstwerke der Pharanonenzeit und vertiefte sich in die Opfergebräuche des Isis-Kultes. Was das Instrumentarium des alten Ägyptens anbelangte, so hatte Verdi indes erhebliche Schwierigkeiten. Instrumente aus jener Zeit gab es nicht mehr, und so blieb nur die knappe Schilderung des antiken Geschichtsschreibers Plutarch, den die ägyptischen Trompeten an Eselsrufe erinnert hatten. Für Verdi das Stichwort! Und so wurde denn der berühmte Pariser Instrumentenbauer Adolphe Sax beauftragt, eben solche Trompeten zu erfinden, die nach Esel klangen: schrill, scharf, penetrant.
Musik-Nr.: 03
Komponist: Giuseppe Verdi
Werk-Titel: Aida
Auswahl: 2. Akt, 2. Szene (Triumphmarsch) <CD 2, Track 7.> 0:35
Interpreten: xx
Label: EMI (LC ____)
7 47 271 8
<CD 2, Track 7.> Gesamt-Zeit: 0:35
Archiv-Nummer: ____

Adolphe Sax, Hersteller der ersten Aida-Trompeten, hat sich noch mit einem weiteren Instrument in der Musikgeschichte verewigt: mit dem Saxophon. Berühmt geworden ist das Saxophon wegen seines einschmeichelnden und doch kraftvollen warmen Timbres in der Jazz-Musik; gedacht war es aber ursprünglich als ein Orchester-Instrument, das die leiseren Holzblasinstrumente wie Oboe und Klarinette gegen das lautstarke Blech unterstützen sollte.

Als Adolphe Sax sein Instrument 1841 der Öffentlichkeit vorstellte, waren die damaligen Komponisten begeistert. Hector Berlioz widmete dem Saxophon in seinem Lehrbuch für Orchester-Instrumentation sogar ein ganzes Kapitel; aber etablieren als Orchester-Instrument konnte es sich nicht – es blieb ein Instrument für besondere Anlässe. Erst im Jazz, durch Musiker wie Charlie Parker oder Lester Young, wurde es populär.

Zu den wenigen klassischen Kompositionen für Saxophon zählt das Saxophon-Quartett in B-Dur des russischen Komponisten Alexander Glasunow.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Alexander Glasunov
Werk-Titel: Saxophonquartett B-dur, op. 109
Interpreten: Berliner Saxophon-Quartett:
Detlef Bensmann (Saxophon)
Rainer Ehrhard (Saxophon)
Christof Griese (Saxophon)
Friedemann Graef (Saxophon)
Label: Schwann (LC ____)
310 055 H1
<Track xx.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____