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KölnKlavier · Themen
Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung Programmmusik

"Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei…"

Schlachtenlärm, Pathos und Idylle bei Beethoven

(Geschichte der Programmusik – 2. Folge)

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für die Deutsche Welle, Köln ("Transkriptionsdienst")

Sendemanuskript
Musik-Nr.: 01
Komponist: Ludwig van Beethoven
Werk-Titel: Sinfonie Nr. 6 F-Dur, op. 68
("Pastorale")
Auswahl: 2. Satz (Ausschnitt) <Track 6.> 1:00
Interpreten: London Classical Players
Ltg.: Roger Norrington
Label: EMI (LC ____)
CDC 7 49746 2
<Track 6.> Gesamt-Zeit: 1:00
Archiv-Nummer: ____
Technik: einblenden bei 10:50

Das Trillern der Nachtigall, Wachtel-Schlag und Kukkucks-Rufe – damit endet der zweite Satz von Beethovens "Pastoral"-Sinfonie. Der Titel Pastorale, der übrigens nicht von Beethoven selbst stammt, verweist auf die Bilder, die diese Sinfonie vermitteln will: Beschrieben wird die Natur, das Murmeln des Baches, der Gesang der Vögel, und schließlich sogar ein Unwetter mit Regenprasseln, Blitz und krachendem Donner. Aber Beethoven wollte nicht nur die Geräusche der Natur nachahmen. Auf der ersten Seite der Partitur notierte er die Bemerkung: "Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei". Ihm ging es also nicht sosehr um eine Schilderung von äußerlichen Naturereignissen (wie es knapp hundert Jahre zuvor Vivaldi in seinen Jahreszeiten getan hat), sondern seine Absicht war es, mit Hilfe der Musik die Stimmungen eines Menschen einzufangen, der sich auf's Land begibt.

Auf diese enge Verbindung von Mensch und Natur verweisen auch die einzelnen Satzüberschriften. Es beginnt mit dem Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande, dann folgt eine Szene am Bach, das lustige Zusammensein der Landleute, und das Gewitter schließlich mündet in einen Hirtengesang mit frohen und dankbaren Gefühlen nach dem Sturm.

Aber die Natur erschöpft sich nicht nur im Titel Pastorale und in den einzelnen Satzüberschriften. Auch die Musik selber besitzt einen (fast möchte man sagen) ländlich-beschaulichen Charakter. Es scheint nichts zu geben, was vorwärts treibt. Die Klänge atmen schon bei der Ankunft auf dem Lande eine Ruhe, die für den Städter Beethoven ungewöhnlich ist.

Musik-Nr.: 01
Komponist: Ludwig van Beethoven
Werk-Titel: Sinfonie Nr. 6 F-Dur, op. 68
("Pastorale")
Auswahl: 1. Satz (Ausschnitt) <Track 5.> 10:30
Interpreten: London Classical Players
Ltg.: Roger Norrington
Label: EMI (LC ____)
CDC 7 49746 2
<Track 5.> Gesamt-Zeit: 10:30
Archiv-Nummer: ____
Technik: evtl. bei Bedarf ausblenden

Ein knappes Jahr nach der Uraufführung der Pastorale, also im Frühsommer 1809, griffen die napoleonischen Truppen die Befestigungsanlagen von Wien an. Die meisten Adligen, auch die kaiserliche Familie, bestiegen ihre Kutschen und flüchteten in diesen Wochen vor den französischen Kanonen auf ihre Landschlösser. Am 12. Mai dann eroberte Napoleon die österreichische Hauptstadt, und Beethoven, der geblieben war, schreibt in einem Brief:

"Welch zerstörendes wüstes Leben um mich her. Nichts als Trommeln, Kanonen und Verwundete, Menschenelend aller Art und ohne Ende."

Aber was Beethoven bedrückt hat, war wohl nicht nur das "Menschenelend", sondern wohl auch die Tatsache, daß alle seine adligen Gönner aus Wien verschwunden waren und Beethoven somit keine Einkünfte mehr hatte. Auch sein kaiserlicher Klavierschüler und Freund Erzherzog Rudolf hatte Wien verlassen. Auf diese Ereignisse spielt Beethovens Klaviersonate op. 81a an. Die einzelnen Sätze tragen die Überschriften: Der Abschied – Die Abwesenheit – das Wiedersehen. Der Titel Les Adieux allerdings stammt nicht von Beethoven. Der Verleger hatte ihn so gewählt, weil er das Französische für eleganter hielt. Doch Beethoven war entsetzt. An den Verleger schrieb er:

Soeben habe ich die Korrekturbögen von Ihnen erhalten und sehe mit Schrecken, daß Sie die Sonate mit französischem Titel herausgeben wollen. Warum denn? "Lebe wohl" ist etwas ganz anderes als "Les Adieux". Das erstere sagt man nur einem herzlich allein, das andere einer ganzen Versammlung, ganzen Städten.

Beethoven hat zu seinem Leidwesen die Herausgabe nicht verhindern können, und so ist die Sonate unter dem Titel Les Adieux populär geworden.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Ludwig van Beethoven
Werk-Titel: Klaviersonate Nr. 26 Es-Dur, op. 81a
("Les Adieux")
Auswahl: 1. Satz <Track __.> __:__
Interpreten: N.N.
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Beethoven und Napoleon: Beethovens Bewunderung für den Feldherrn aus Korsika war Anlaß zur Komposition der Eroica, die Eroberung Wiens durch die französischen Truppen führte zur Enstehung der Sonate Lex Adieux, und als Napoleon 1813 in Spanien von den Engländern besiegt wurde, war Beethoven dies ebenfalls eine Sinfonie wert: die Schlachten-Sinfonie. Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria.

Es war eine Auftragskomposition, und der Auftraggeber war Johann Nepomuk Mälzel, der vielen Klavier- und Geigenschülern noch heute als Erfinder des Mälzel'schen Metronoms bekannt ist. Johann Nepomuk Mälzel war Feinmechaniker und Uhrmacher und hatte einen riesigen Musikautomaten konstruiert, das sogenannte "Panharmonicon" mit großem Blas- und Schlagwerk. Für eben dieses "Panharmonicon" schrieb Beethoven seine Schlachtensinfonie. Erst einige Wochen später bearbeitete er das Ganze für großes Orchester.

Es macht keine Schwierigkeiten, anhand der Musik den Verlauf der Schlacht zu verfolgen. Zuerst die Trommeln und Trompeten auf der englischen Seite mit dem englischen Marsch Rule Britannia. Dann die Trommeln und Trompeten auf der französischen Seite. Marschieren der Franzosen. Es ertönen die Angriffs-Signale und schließlich die Schlacht: Nach heftigem Schußwechsel werden die napoleonischen Truppen geschlagen. Die Franzosen fliehen, während auf englischer Seite eine Sieges-Sinfonie erklingt.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Ludwig van Beethoven
Werk-Titel: Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria.
Ouvertüre op. 91
Auswahl: 1. Abteilung <Track 11.> 9:05
Interpreten: Berliner Philharmoniker
Ltg.: Herbert von Karajan
Label: DGG (LC ____)
419 624-2
<Track 11.> Gesamt-Zeit: 9:05
Archiv-Nummer: ____
Technik: ausblenden bei 9:04