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KölnKlavier · Themen
Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung Programmmusik

Landschaften als Inspirationsquelle

Beethoven, Mendelssohn Bartholdy, Smetana

(Geschichte der Programmusik – 5. Folge)

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für die Deutsche Welle, Köln ("Transkriptionsdienst")

Sendemanuskript
Musik-Nr.: 01
Komponist: Ludwig van Beethoven
Werk-Titel: Sinfonie Nr. 6 F-Dur, op. 68
Auswahl: 1. Satz (Anfang) <Track __.> __:__
Interpreten: The London Classical Players
Ltg.: Roger Norrington
Label: EMI (LC 0110)
Nummer
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Mit Tönen malen – Landschaften abbilden, so daß sie vor unserem inneren Auge neu entstehen? Als Ludwig van Beethoven 1806 seine Sechste Sinfonie, die berühmte Pastorale komponierte, schrieb er über die Partitur: "Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei". Beethoven glaubte nicht daran, daß Musik etwas anderes ausdrücken kann als "Musikalische" Empfindungen.

Seine nachfolgenden Komponisten-Kollegen dachten da anders. 1829 reiste der damals 20jährige Felix Mendelssohn Bartholdy mit einem Freund durch England und Schottland. Es war eine jener ausgedehnten Bildungsreisen, wie sie die wohlhabenden jungen Leute im 19. Jahrhundert zu unternehmen pflegten. Am 10. August schrieb Mendelssohn aus Glasgow an seine Eltern in Berlin:

Die schottischen Hochlande und das Meer brauen miteinander nichts als Whisky, Nebel und schlechtes Wetter. Die Fahrt mit unserem Dampfschiff war alles andere als erfreulich. Je tiefer das Barometer fiel, desto höher stieg die See. Die Ladies fielen um wie die Fliegen, un der ein oder andere Gentleman tat es ihnen gleich. Als wir an den Hebriden, jener sagenumwobenen Inselgruppe, vorbeikamen, wollten einige trotz der tosenden See die berühmte Höhle der Wahrsagerin Fingal sehen. Und so wurden wir in Booten ausgesetzt und kletterten bald darauf am gischtigen Meer entlang zu jener Grotte. Ein grüneres Weelengetose schlug allerdings nie in eine seltsamere Höhle – mit ihren vielen geborstenen Pfeilern dem Inneren einer ungeheuren Orgel vergleichbar. Schwarz, schallend und ganz zwecklos für sich allein daliegend – das weite graue Meer darin und davor. Um Euch zu verdeutlichen, wie seltsam mir auf den Hebriden zumute geworden ist, fiel mir eben folgendes ein ...

Und dann notierte Felix Mendelssohn einige Noten Musik:

Musik-Nr.: 02
Komponist: Felix Mendelssohn Bartholdy
Werk-Titel: Die Hebriden. Ouvertüre op. 26
Auswahl: (Anfang) <Track __.> __:__
Interpreten: The London Classical Players
Ltg.: Roger Norrington
Label: EMI (LC 0110)
7 49 889-2
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Es ist der Anfang jener Komposition, die Mendelssohn später als op. 26 unter dem Titel Hebriden-Ouvertüre veröffentlichte. Allerdings – ganz so romantisch-unheimlich, wie Mendelssohn die Entstehung seiner sinfonischen Idee schildert, war es in Wirklichkeit nicht. Denn das Thema hatte er schon vor dem Besuch von Fingals Höhle in seinem Skizzenbuch notiert.

Wer nach Mendelssohns Brief nun die Musikalische Schilderung von Naturgewalten erwartet, wird indes enttäuscht. Das Thema, das inhaltliche Programm dieser Ouvertüre, ist vielmehr die grenzenlose Einsamkeit, der der Mensch in dieser Region ausgesetzt ist. Manch ein Vogelkundiger hat aus den Klarinetten- und Flötenpasssagen die Schreie von Albatrossen und Möwen heraushören wollen; die Pianissimo-Pauken und Streicher-Glissandi werden gerne mit der gichtigen See gleichgesetzt. Spekulationen? Immerhin schrieb Mendelssohn 1832 an seine Schwester:

Die Hebriden-Ouvertüre habe ich immer noch ganz vollendet. Der ganze Mittelteil riecht noch zu sehr nach Kontrapunkt und sollte doch vielmehr nach Salzluft, Lebertran und Möwen schmecken.
Musik-Nr.: 03
Komponist: Felix Mendelssohn Bartholdy
Werk-Titel: Die Hebriden. Ouvertüre op. 26 <Track __.> __:__
Interpreten: The London Classical Players
Ltg.: Roger Norrington
Label: EMI (LC 0110)
7 49 889-2
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

1872 faßte der tschechische Komponist Bedrich Smetana den Entschluß, einen Zyklus von sinfonischen Stücken zu schreiben, deren Thema die böhmische Landschaft ist. Smetana hat diesen Zyklus Ma vlast (Mein Vaterland) betitelt und den einzelnen Stücken ein ausführliches Programm beigegeben. Um mythische und geschichtliche Gestalten geht es dort, um die heldenhaften Kämpfe der Tschechen (die aber alle verloren wurden) und um einen der schönsten Flüsse in Europa – die Moldau. Hier Smetanas Inhaltsbeschreibung der Moldau:

Zunächst belauscht diese Komposition die beiden Quellen, die sogenannte 'warme' und die 'kalte' Moldau. Die beiden Bäche vereinigen sich und bilden einen Strom durch die weiten Wiesen und Haine, durch Gegenden, wo die Bewohner gerade fröhliche Feste feiern. Wir erleben eine Bauernhochzeit, eine Jagdgesellschaft; im silbernen Mondlicht führen Wassernymphen und Elfen ihre Reigen auf. Stolze Burgen, Schlösser und ehrwürdige Ruinen ziehen vorüber. Die Moldau schäumt und wirbelt in den Stromschnellen von St. Johannes und strömt in breitem Flusse weiter gen Prag zu. Die Burg Vysehrad taucht an ihrem Ufer auf. Majestätisch strebt die Moldau weiter, entschwindet schließlich den Blicken und ergießt sich in die Elbe.

Diesem Programm ist wenig hinzuzufügen – die Musik spricht für sich selbst. Als die Moldau 1875 in Prag uraufgeführt wurde, war denn auch die Begeisterung einhellig. Das Publikum feierte Smetana als den tschechischen Nationalkomponisten. Ein zeitgenössischer Bericht schildert uns die Uraufführung so:

Bis zum Schlußakkord hielt die Spannung im Auditorium an. Das Publikum lauschte mit angehaltenem Atem so angespannt, daß an den zart gespielten Stellen selbst das leise Rascheln der Programme deutlich zu hören war. an, Als der letzten Ton der 'Moldau' verklungen war, brach ein wahrer Orkan der Begeisterung aus. Auf allen Seiten erklang aus hunderten von Kehlen jubelnd der Name Smetana; das Publikum war von seinen Sitzen aufgesprungen, schwenkte Hüte und Tücher und applaudierte dem Meister, der das Werk selbst dirigiert hatte. Kränze wurden ihm überreicht mit Schleifen in den nationalen Farben.
Musik-Nr.: 04
Komponist: Bedrich Smetana
Werk-Titel: Die Moldau <Track __.> __:__
Interpreten: Concertgebouw Orchester Amsterdam Ltg.: Antal Dorati
Label: Philips (LC ____)
420 607-2
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____