Repertoire

Die Musikauswahl orientiert sich altersgerecht an den pianistischen Fähigkeiten und musikalischen Vorlieben, wobei andererseits auch die Neugier geweckt werden sollte für das Repertoire, das jenseits des eingefahrenen Musikgeschmacks liegt. Klavierspielen wird so zur Entdeckungsreise in immer neue Klangwelten, so daß sich die Palette der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten mit der Zeit vergrößert.

Der Anfangsunterricht baut systematisch auf einer der bewährten Klavierschulen auf. Parallel dazu wird nach wenigen Stunden weitere Klavierliteratur in den Unterricht einbezogen, um den musikalischen Erfahrungshorizont zu erweitern. Bei der Auswahl der Noten wird frühzeitig auf textkritische „Urtext-Ausgaben“ ohne Herausgeber-Zusätze zurückgegriffen, um das Gespür für Werktreue und interpretatorische Freiheit zu schärfen. Fingersätze werden in der Regel gemeinsam erarbeitet.

Klassik (von Barock bis Avantgarde)

Beethovens Für Elise, Mozarts Türkischer Marsch, das C-Dur-Präludium aus Bachs Wohltemperiertem Klavier, die Mondscheinsonate, die Walzer von Chopin oder die hochvirtuosen Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt. Dies sind nur die populären Highlights des schier unerschöpflichen klassischen Klavier-Repertoires. Und wem die Original-Literatur für Klavier nicht ausreicht, für den eröffnet sich noch das weite Feld der Bearbeitungen, der Opern-Transkriptionen und Klavierauszüge.

Aber auch die Komponisten unseres Jahrhunderts haben das Klavier reich bedacht: Von Igor Strawinsky stammt das Bonmot, das Klavier sei ein Schlaginstrument und müsse dementsprechend behandelt werden. Der amerikanische Komponist Henry Cowell verlangt vom Pianisten, daß er mit dem ganzen Unterarm spielt und gelegentlich selbst in die Saiten greift. Und bei der Musik von John Cage schließlich muß man vor dem Spielen das Instrument erst einmal mit Staniolstreifen, Radiergummis und Heftzwecken präparieren …

Pop, Rock, Rhythm & Blues, Boogies, Rags und andere Rhythmen, „Oldies, but Goldies“, Filmmusik, Songs, Chansons, Schlager

In der Pop-Musik ist das Klavier ebenfalls nicht wegzudenken. Boogie-Woogie und die Ragtimes von Scott Joplin (Der Entertainer) sind originäre Kompositionen für Klavier. Astor Piazzolla hat seine Tangos selbst für Klavier bearbeitet, und ebenso eignen sich Rock und Blues hervorragend für das Spiel auf den Tasten. Effektvolle Dauerbrenner für Party und Hausgebrauch sind auch Oldies wie Yesterday, House of the Rising Sun oder L’amour est bleu.

Und schließlich all die Filmmusiken, die für Klavier geschrieben sind: Mancinis Rosaroter Panther, Der Pate von Nino Rota, Dr. Schiwago, Love Story oder Michel Nymans Das Piano.

Jazz und Improvisation

Virtuos auf dem Klavier zu improvisieren wie Keith Jarrett, Erroll Garner oder Fats Waller – wer die grundlegenden Techniken und harmonischen Gesetzmäßigkeiten beherrscht, kann mit etwas Übung beachtliche Ergebnisse erzielen.

Kammermusik

Als „Einzelhaft am Klavier“ hat die bekannte Klavierpädagogin und Musikwissenschaftlerin Grete Wehmeyer das Klavierspielen einmal bezeichnet. Und in der Tat: Der Pianist herrscht über so viel Klangfülle, daß er sich auch ohne Mitspieler musikalisch ausleben kann. Allzuleicht vergißt er darüber, daß Musik eine Form von Kommunikation ist – nicht nur als einseitige Ansprache des Interpreten an sein Publikum, sondern auch als Dialog zwischen gleichberechtigten Musizierpartnern.

Kammermusik schult das Gehör, das Klangempfinden und das Gefühl für Rhythmus – und vor allem: Sie macht riesigen Spaß …

Die Kammermusik-Literatur für Klavier ist reichhaltig. Allerdings – das sollte man nicht verschweigen – werden an den Klavierpart meist höhere technische Anforderungen gestellt als an die anderen Stimmen. Aber auch für den Anfangsunterricht findet sich genügend Stoff: die vierhändigen Stücke von Diabelli, Godowsky und Galuzzi oder die leichteren Generalbaßaussetzungen der Barockzeit.